ROBIN, DER WERWOLF VON NOTTINGHAM

Michael Myers, Jason Voorhees, Freddy Krüger, Ghostface, der Terrifier, Leatherface und Robin Hood… Moment! Robin Hood als Gruselmonster in brutalen Slasher-Filmen? Der edle Umverteiler aus dem Sherwood-Forest? Ja, genau das zeigt der neue Horror-Kracher THE DEATH OF ROBIN HOOD von Michael Sarnoski.

Der alt gewordene Killer hat sich in trostloser Ödnis verbunkert, in einem Niemandsland aus Dunkelheit, Nebel und Kälte. Er flieht vor den Kindern seiner Opfer. Mit Fell behangen, zottigem Haar und Bart: Kaum Mensch, sondern Werwolf.

Bald begegnet ihm sein früherer Mitstreiter Little John. Der bittet ihn um Hilfe bei der Rückeroberung seines Farmhauses. Die Familie seiner Frau habe es ihm entrissen. Robin Hood sagt zu.

Bei dem Überfall lässt der „Rächer der Enterbten“ die Sau raus: Mal durchbohrt sein Pfeil den Kopf eines fliehenden Kindes. Oder er reißt Kiefer raus, schlitzt Kehlen auf und öffnet Schlagadern. Aber auch er wird verletzt. Sehr schwer sogar.

Little John bringt den verwundeten Freund zu einer geheimnisvollen Insel. Dort pflegt eine Nonne, Schwester Brigid, alle Kranken, die zu ihr finden. Selber mit Leid geschlagen, erkennt sie Hoods Affinität zur Gewalt. Aber selbst die Seele eines Scheusals verdient Therapie, muss die Chance zur Besserung erhalten.

Nach diesem Film gibt es kein zurück mehr: Der lustig-freche Robin Hood mit Errol Flynn (1938) ist verloren. Für immer. Regisseur Michael Sarnoski betreibt konsequent, was Christopher Nolan in seiner ODYSSEE nur zur Hälfte riskiert: Die Transformation eines Helden zum Anti-Helden. Damit verbunden: ein Genre-Wechsel. Vom Abenteuer- und zum Horror-Drama.

Freilich hätte die Regie noch weiter gehen können: Indem Robin Hood die Armen ausplündert und seine Beute den Reichen schenkt. Dann wäre Film als Spiegel der Gegenwart perfekt gewesen.