Christopher Nolans „Odyssee“ – DVDs zur Einstimmung!
Die „Odyssee“ hat zwar 2600 Jahre auf dem Buckel, aber ihr Frischhalte-Datum ist keineswegs abgelaufen. Survival-Profi Odysseus offeriert auch modernen Irrfahrern zahlreiche Tipps, Tricks und Inspiration. Zwar liest kein Schwein mehr Homers Verse, nicht mal in moderner Prosa-Übersetzung, aber ihn im Kino zu begegnen – das geht klar. Das szenische Potenzial der „Odyssee“ packte schon die Dramatiker der Antike.
Schon damals galt der Helden-Status des Odysseus als umstritten: Sophokles charakterisiert ihn in der Tragödie AIAS (442 v. Chr.) als coolen, rationalen Diplomaten. Für den Dramatiker Euripides hingegen war Odysseus ein Scheusal, der in HEKABE (425 v. Chr.) ohne Skrupel Menschen opferte. Das Satyrspiel DER KYKLOPS (411 v. Chr.) – ebenfalls von Euripides – brachte die womöglich bekannteste Station der 10jährigen Irrfahrten auf die Bühne: Den Kampf des Irrfahrers gegen den Zyklopen Polyphem. Der Tragödiendichter und Regisseur Euripides galt als der Special-Effects-Man der Antike. Leider werden wir nie erfahren, wie er den Zyklop auf die Bühne gebracht hat. Vermutet wird der Einsatz von Stelzen.
Auch das 21. Jahrhundert hat bereits mehrere Verfilmungen der „Odyssee“ vorzuweisen. Nach Wolfgang Petersens TROJA (2004), Uberto Pasolinis RÜCKKEHR NACH ITHAKA (2024) und der TV-Serie ODYSSEUS (2013) hat sich jetzt Star-Regisseur Christopher Nolan rangewagt. Der gilt als Spezialist für zwiespältige Helden: Ob Batman (THE DARK KNIGHT (2008) oder OPPENHEIMER (2023). Seine Homer-Adaption verspricht eine ähnlich ambivalente Darstellung des Odysseus. Kinostart: 16. Juli 2026!

Zur Einstimmung und Steigerung der Vorfreude bietet unsere Filmkunst-Videothek frühere „Odyssee“- Verfilmungen: Da wäre beispielsweise HELENA (1924). Vor 102 Jahren drehte Regisseur Manfred Noa diesen Big Budget- Stummfilm in Münchener Filmstudios und Umgebung. Laufzeit: Drei Stunden und zwanzig Minuten! Auffallend ist bereits der Titel: Nicht Odysseus, Achill oder ein anderer Haudegen steht im Zentrum, sondern Helena. Kein Zufall: Seit den 1910er Jahren wurden Biopics über historische Frauen erstellt. Darunter ein CLEOPATRA -Streifen (1917) mit Theda Bara in der Hauptrolle. Auch Deutschland lieferte mit MADAME DUBARRY (1919) oder LUCREZIA BORGIA (1922) hochkarätige Beiträge zu dieser Biopic-Welle. Da war eine Fokussierung der Helena nur folgerichtig.
Leider floppte HELENA an der Kinokasse. Grund: Im selben Jahr hatte ein weiterer Monumentalfilm, Fritz Langs DIE NIBELUNGEN (1924), seinen Kinostart. Im Schatten dieses Kassenschlagers ging Noas Homer-Verfilmung unter. Zu Unrecht. Der Film gilt inzwischen als absoluter Klassiker.

Fußnote: Novelle Vague-Regisseur Jean-Luc Godard drehte 1964 das Melodram LE MEPRIS (DIE VERACHTUNG): Darin spielt Fritz Lang sich selber, beim Dreh einer Odyssee-Verfilmung. In Streitgesprächen mit dem Produzenten erläutert Lang seinen Zugang zu dem Stoff.

Auch der italienische ULISSE (DIE FAHRTEN DES ODYSSEUS, 1954) leistete sich eine 1A-Besetzung. Regisseur Mario Camerini inszenierte die „Odyssee“ als populären Abenteuerfilm mit Kirk Douglas (Odysseus) und Silvana Mangano als Zauberin Circe: „Der seinerzeit teuerste Farbfilm (10 Millionen Dollar Herstellungskosten) bietet den Odysseus-Mythos als aufwendige, mit hervorragenden Spezialeffekten arbeitende Kintoppfabel.“ (Heinzlmeier, Schulz, Menningen: Filme im Fernsehen)

Alle drei erwähnten Filme, HELENA, ULISSE und LE MEPRIS stehen in der Filmkunst-Videothek als Leih-DVDs bereit. Drei Meisterwerke für eure Home-Odyssee durch die Filmgeschichte! Weitere Filme zum Thema Odyssee stellen wir in den kommenden Monaten vor.