Eis-Urnen: DEAD OF THE WINTER

Auch wenn Forscher eine Erderwärmung konstatieren: Auf politischer Ebene ist Eiszeit angesagt. Alle Zeichen auf Frost. Zumindest im Westen. Das spiegelt auch die gegenwärtige Filmproduktion. Bereits die Kultserie GAME OF THRONES zeigt den Beginn eines Winters, von dem keiner weiß, wie lange er anhalten wird. Neues Beispiel: Guillermo del Toros FRANKENSTEIN: Als das „Monster“ von Menschen nur Ablehnung erntet, jagt es seinen Schöpfer bis ins ewige Eis – einem riesigen weißen Friedhof, wo beide ihr Ende finden. Auch der aktuelle Thriller DEAD OF WINTER spielt an einem kalten Ort: im Schneegebirge von Minnesota.

Eisfischerin Barb (Emma Thompson) will die Asche ihres verstorbenen Mannes in einem See entsorgen. Das hatte der Verblichene sich so gewünscht. Aber Barb verfährt sich. Schließlich gelangt sie zu einer Hütte, in der ein finsteres Paar wohnt. Das hält ein Mädchen gefangen und will es töten. Barb begreift: In dieser Schneewüste ohne Empfang für Mobilfunk wird keiner dem Opfer zu Hilfe eilen. Nein, nur sie allein kann das Mädchen retten…

Manche Rezensenten haben die Fischerin Barb mit der Schnee-Kommissarin Marge Gunderson (Frances McDormand) aus FARGO verglichen. Kann man machen, aber die Atmosphäre beider Filme liegt Lichtjahre auseinander. Auch in der dramaturgischen Funktion der Minustemperatur. FARGO ist eine Komödie. Der Schnee ermöglicht Situationskomik, in DEAD OF WINTER hingegen steht er für Tod. Und ist damit eine Waffe: In Barbs Kämpfen gegen das geht es nicht um gegenseitiges Einheizen, sondern ums Vereisen. Kaltmachen ist hier wörtlich zu nehmen.

Eine weitere Funktion des Schnees: Er bedeckt und verdeckt alles Grauen, schafft Vergessen. Aber am Ende des Films freut man sich auf die langen Gesichter der Anwohner, wenn die Schneeschmelze alle spuren, alle Leichen freigibt. Emma Thomsen, in den Neunzigern populär als romantische Heldin, spielt hier eine Frau, an deren Liebe nur eine Urne erinnert.