Der Tod macht Überstunden: R.i.P. Bela Tarr
Es scheint, als habe der Tod im vergangenen Jahr Überstunden absolviert. Vor allem in den letzten Monaten. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Schauspiel und Filmregie verschwanden 2025 von der Erde: David Lynch, Diane Keaton, Robert Redford, Claudia Cardinale, Hark Bohm, Brigitte Bardot, Marcel Ophüls, Udo Kier Alice und Ellen Kessler sowie Rosa von Praunheim. Auch der Underground blieb nicht verschont: Auch Wilhelm Hein, der in den Sixties mit seiner Frau Birgit legendäre Experimentalstreifen montierte, wurde in die ewigen Filmstudios abgerufen. Und im neuen Jahr geht es gleich weiter: Gestern verstarb Bela Tarr.
Der ungarische Meister hatte es seinem Publikum nie leicht gemacht: Er zwang es in unerträgliche Ödnis, Langatmigkeit, Reduktion und die Farblosigkeit des Alltags. Ein Minimalismus, der die Schmerzgrenze mancher Kino-Fans deutlich überschritt. Ein Beispiel: DAS TURINER PFERD, den Tarr 2011 mit seiner Frau Agnes Hranitzky drehte. Die Handlung bezieht sich auf einen Vorfall in Turin anno 1889: Der Philosoph Friedrich Nietzsche, vom Wahnsinn bereits gezeichnet, umarmte weinend ein Droschken-Pferd. Grund: Der Kutscher hatte es heftig gepeitscht. In dem fast zweieinhalbstündigen Schwarzweißfilm DAS TURINER PFERD zeigen Tarr und Hranitzky den Alltag des Tieres in einer Bauernfamilie, deren Acker und Existenz langsam verdorrt.
Das stärkste Gegengift zum Schmerz der Vergänglichkeit ist das Medium Film: Weder Fotografie noch Malerei können Lebendiges so wirklichkeitsnah festhalten wie das Kino. Verstorbene Schauspieler und Schauspielerinnen: Auf der Leinwand scheinen sie noch zu leben:Als Geister. Ohne Körper und doch vorhanden. Jeder erhaltene Film ist ein kleines Bollwerk gegen endgültiges Verschwinden. Deshalb bietet die Filmkunst Videothek euch Filme mit (oder von) besagten Personen auf Leih-DVD. Unser Personal berät euch gern.
