„Lokomotive des Feminismus“ R.i.P. Brigitte Bardot
Vallauris (Frankreich) im Jahr 1954. Pablo Picasso zeichnet die 19jährige Sylvette David. Mehr als 50 mal. Resultat: Ein neuer Frauenmythos. Vorbei war die Ära der Großdiven, des Glamours, der üppigen Kostüme und aufwändiger Frisuren. Das neue Idol: Der aufmüpfige Teenager: Die Haare zum Pferdeschwanz zusammengerafft, die Kleidung praktisch, kürzer und an mancher Stelle sogar transparent. Dieser Frauentyp weiß von seiner Wirkung und spielt sie aus.
Die Spekulationen, wonach die Sylvette David-Bilder das Outfit von Brigitte Bardot inspiriert hätten, ist nicht belegbar. Spielt aber auch keine Rolle. Wichtiger ist, dass beide den Zeitgeist bis zur Perfektion verkörperten. Die Film-Charaktere der 1934 geborenen Brigitte Anne-Marie Bardot gaben sich freiheitsliebend, hedonistisch und draufgängerisch. Prophetinnen der sexuellen Revolution. Simone de Beauvoir erklärte Bardot gar zur „Lokomotive des Feminismus“.
Die meisten ihrer Film-Hits wie …UND IMMER LOCKT DAS WEIB (1956) sind vergessen. Es waren Star-Filme, zugeschnitten auf den damaligen Publikumsgeschmack. Überlebt haben Novelle Vague-Klassiker wie Louis Malles VIVA MARIA (1965) oder Jean-Luc Godards DIE VERACHTUNG (1964). Dabei hat Bardot ihre Aversion gegen den Schweizer Avantgardisten nie verheimlicht: In ihrer Autobiographie verspottet sie Godard als großbürgerlichen Sprössling, der den linken Klassenkämpfer spielt.
1973 beendete die 39jährige Bardot ihre Filmkarriere. Danach startete sie ihre zweite Karriere als politische Aktivistin. Zentrales Thema: Tierschutz. Bei einer Pariser Demonstration gegen Robbenjagd ließ sie öffentlich Pelze verbrennen. Ihr politischer Furor weitete sich im Lauf der Jahre, entlud sich in Rundumschlägen: Bald wetterte sie gegen Fast Food, Verweichlichung, Migration, Obdachlose, Linke usw. Je mehr sie sich den Tieren zuwandte, desto stärker wurde ihre Misanthropie. Dennoch blieb der Mythos „La Bardot” in Frankreich ungebrochen. Zu stark ist ihre Präsenz im kollektiven Bildergedächtnis. Und nicht nur in Frankreich: In Rio de Janeiro steht seit 1999 eine Statue, ein Denkmal ihr zu Ehren.
Am 28. Dezember verstarb Brigitte Bardot im Alter von 91 Jahren.
Die Filmkunst-Videothek im b-ware! Ladenkino bietet zwei der interessantesten Brigitte Bardo-Filme als Leih-DVD. Einmal den bereits erwähnten LE MEPRIS von Jean-Luc Godard. Außerdem: AUẞERGEWÖHNLICHE GESCHICHTEN (1968) nach Edgar Allan Poe. Bardot spielt in der „William Wilson“-Episode unter der Regie von Louis Malle.
